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Kubus des Anstoßes. Kunst im Keim erstickt PDF Drucken E-Mail
3294 mal gelesen.
Geschrieben von: Ingeborg de Vries   
Mittwoch, 15. Juni 2005 um 18:42 Uhr
Die Aufgabe der Kunst liegt auch in der Verstörung oder in der Provokation. Kunst verstört, indem sie eine Wahrheit zur Sprache oder ins Bild bringt, die verdrängt wird. Das hat der Kubus des Anstoßes in Venedig offenkundig getan. Die Reaktion erfolgte prompt. Verbot der Kunst, politische Zensur. Die Verstörung durch Kunst ist in Venedig nicht mehr möglich. Eine niederschmetternde Entscheidung der italienischen Regierung gegen die Kunst und gegen die Freiheit. Devoter geht es kaum noch. Eine Geste freiwilliger Unterwerfung und des vorauseilenden Gehorsams dem möglichen Terror gegenüber, der sich auf die Verletzung angeblicher religiöser Gefühle beruft. Die Wahrheit der Kunst - in Venedig hat sie kein Recht mehr - jedenfalls nicht, wenn Bin Ladens religiöse Gefühle verstört werden könnten.
Mit Appeasement hofft Europa eine Kraft zu bannen, die unter Berufung auf das religiöse Dogma Angst und Unterdrückung verbreitet, und wird scheitern. Denn jedes Verbot dieser Art, das sich gegen die Freiheit, die aufklärende und verstörende Funktion der Kunst richtet, macht die Kraft der Unterdrückung des kritischen Denkens und des Terrors nur stärker. Gibt es bald in Europa wieder das, was die Nazis "entartete Kunst" nannten, jene Kunst, die das angeblich anständige "religiöse und sittliche Gefühl" und das authentische Volksempfinden verletzt und deshalb vorsichtshalber erst gar nicht mehr gezeigt wird? Der Kubus des Anstoßes - ist er in Venedig nicht weggeschafft worden, weil er von Islamisten als "entartete Kunst" empfunden werden könnte?
Wo bleibt der Aufschrei der künstlerischen Avantgarde gegen dieses Verbot von Kunst aus vorauseilendem Gehorsam mit den "Artgerechten"?


Link zum Artikel (PDF): "Kubus des Anstoßes. Kunst im Keim erstickt". Klicken Sie bitte hier.

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