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Kritik des Verhältnisses von Arbeit und Interaktion bei Jürgen Habermas PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Klaus Ottomeyer   
Freitag, 01. Februar 2008 um 19:38 Uhr

Enthistorisierung der Produktion und Personalisierung von Produktions-
verhältnissen


Jürgen Habermas will seine "Theorie kommunikativen Handelns" als "neue kritische Theorie" gewürdigt wissen, nachdem die "alte" kritische Theorie (von Adorno Horkheimer, Marcuse et.al.) "nicht anschlussfähig" (Habermas) gewesen sei.
Ottomeyer arbeitet in der hier vorliegenden Kritik dagegen heraus, dass dieser Anspruch falsch ist und "die Theorie des kommunikativen Handelns" den Begriff "kritische Theorie" zu Unrecht ursurpiert.

Dazu stellt Ottomeyer zunächst richtig heraus, dass Habermas die Marxsche Theorie falsch ausschließlich als eine "Philosophie der Arbeit" begreift. Denn die Marxsche Theorie ist keine solche "Philosophie der Arbeit", sondern die kritische Untersuchung der Formen, unter denen Arbeit angeeignet wird.
Unterm Kapital ist die Synthesis der Produzenten keine unmittelbare Synthesis durch den Produktionsprozeß und durch die darin vorherrschende Technik, sondern eine mittelbare über die Warenform der Arbeitsprodukte, deren Wertcharakter als Waren sich im Kapital verselbständigt hat, das im spezifisch kapitalistischen Produktions- und Zirkulationsprozess wie ein automatisches System funktioniert. Die Produzenten im Kapitalismus existieren nach Marx füreinande nur in der Warenform, also rein sachlich. Die abstrakte Geldbeziehung ist nur die Weiterentwicklung dieser rein warenförmigen sachlichen Beziehung. Im Geld tritt den Produzenten mit anderen Worten ihr ihnen entfremdetes Gemeinwesen selbst als ein nur äußerliches und darum zufälliges Ding gegenüber. Die Frage nach dieser Mittelbarkeit der kapitalistischen Synthesis, nach der Warenform der gesellschaftlichen Beziehungen fällt für Habermas gesellschaftstheoretisch wie erkenntnistheoretisch unter den Tisch.

Sodann zeigt Ottomeyer auf, dass Habermas unter dieser falschen Voraussetzung das "Unzulängliche" an dem Begriff von gesellschaftlicher Synthesis, das er bei Marx entdeckt zu haben glaubt, kritisiert, dann auf seine eigene Unterscheidung der Dialektik der Aneignung (Arbeit) von der Dialektik der Anerkennung (Interaktion) rekurriert, um schließlich und endlich einen ergänzenden zweiten Begriff von gesellschaftlicher Synthesis zu konstruieren, der Grundlage seiner Theorie des kommunikativen Handelns ist. Diese Konstruktion geschieht wie folgt: Die erste von Marx hervorgehobene Form der Synthesis sei "verschränkt mit einer Synthesis durch Kampf, welche ihrerseits durch zwei einander zu Objekten machende Teilsubjekte der Gesellschaft, nämlich soziale Klassen, vermittelt ist" . Der Prozeß, in dem diese Teilsubjekte sich zu Objekten machen und um die Anerkennung ihrer unterdrückten Subjektivität ringen, sei "ein Prozeß der Reflexion"; er entspreche der Hegelschen Dialektik der Sittlichkeit. Die Klassenbeziehungen erscheinen bei Habermas so, anders als bei Marx, in eigenartiger Weise als personal-unmittelbare. So heißt es z. B., nachdem Habermas die Dialektik der Sittlichkeit an Hegels Verhältnis zwischen Verbrecher und Gesellschaft erläutert hat,"Marx hätte sich dieses Modells bedienen und jene disproportionale Aneignung des Mehrprodukts, das den Klassenantagonismus zur Folge hat, als Verbrechen konstruieren können" .

Schließlich endet die krtische Untersuchung mit dem Ergebnis:
"Nachdem die für die kapitalistische Gesellschaft konstitutive Form der Synthesis durch den Markt sich im Habermasschen System zwischen den beiden synthetisierenden Prozessen von Arbeit und Reflexion aufgelöst hat, werden zur Analyse des Kapitalverhältnisses Kategorien anempfohlen, die allenfalls die Synthesis von Gesellschaften erfassen können, in denen der Zusammenhang der Produzenten noch ein normativ unmittelbarer ist, wie ihn selbst Durkheim mit seinem Begriff der mechanischen Solidarität zunächst nur primitiven Gesellschaften zugesprochen hat.
Die Anwendung eines solchen Begriffssystems (...) auf die kapitalistische Wirklichkeit muß zwangsläufig Illusionen über die Art und das Ausmaß der Verselbständigung der Produktionsverhältnisse gegenüber dem Bewußtsein und dem guten Willen der Produzenten hervorbringen. Und hierin scheint mir seine objektive politische Funktion zu liegen. ´" (Ottmeyer)



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