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Grün-braune Liebe zur Natur - Die NSDAP als "grüne Partei" und die Lücken der Naturschutzforschung PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Peter Bierl, Clemens Heni   
Montag, 07. April 2008 um 08:33 Uhr
Ich habe in meinem ideologiekritischen Buch "Vom Faschismus zum neuen Denken" (1994), insbesondere in dem Abschnitt "Der neue Mensch - zwischen hilflosem Antifaschismus und faschistischer Propaganda" nachgewiesen, dass in der deutschen Öko-Pax-Bewegung antisemitisch grundierte, völkische und konservativ-revolutionäre Ideologien, die der nationalsozialistischen Bewegung das ideologische Futter gaben, im Jargon der Authentizität und des linken Aufstandes gegen das "verrottete System der Adenauerzeit' wiederauflebten. Zu diesem Wiederaufleben neofaschistischen Gedankenguts im ökosystemischen Jargon haben auch jene Leute beigetragen, die die Partei der Grünen früher mit Forderungen wie Ausstieg der BRD aus der Nato, Öko-Bauerntum auf reiner deutscher Scholle mit ausschließlich heimischen Gewächsen, Solidarität mit dem 'arabischen Volk' gegen den "Aggressorstaat" Israel, dem "Nazi-Staat von heute" und dauerhaftem Nullwachstum prägten und die ihre pseudo-antikapitalistische, völkische Gesinnung kundtaten in Parolen gegen den mächtigeren Nationalstaat USA - "USA,SS,SA" - der massenhaften Verbreitung antiamerikanischer und antijüdischer bzw.antiisraelischer Ressentiments, im exportfördernden "kritischen Dialog" mit Regimen und Rackets, die auf die Vernichtung des Staates Israel eingeschworen sind (wie das iranische Regime, Hamas, Hisbollah, Muslimbruderschaft) , der Abwendung vom Monotheismus zugunsten esoterischer, neuheidnischer Kulte und der Anbetung des (Öko-) Systems.

Diese Gedanken greifen Peter Bierl und Clemens Heni in dem folgenden Aufsatz über "Die NSDAP als grüne Partei" auf und belegen sie mit eindrucksvollem Material. Dafür einige Beispiele:
- Haußleiter - einer von drei gleichberechtigten Vorsitzenden der Grünen- hatte 1965 über ein Wahlbündnis der AUD mit der NPD verhandelt. Das war kein Zufall. Denn derselbe Haußleiter hatte 1942 eine Propagandaschrift verfasst, in der "die kämpferische Zucht der deutschen Wehrmacht" herausgestellt wurde und stellte ihr "die entfesselte Bestialität der Bolschewiken" gegenüber. 1952 hatte er die Nürnberger Prozesse und die Entnazifizierung als "das dümmste und infamste aller Strafgerichte" geschmäht und den Alliierten vorgeworfen, die Konzentrationslager weiter zu benutzen. Er projizierte als einer der ersten die deutsche Schuld auf die Alliierten und die "Phosphorgeneräle von Dresden".
Solche Schuldprojektion und Erinnerungsabwehr sind seitdem in der deutschen "Friedensbewegung" gängig geworden. Sie sind kennzeichnend für den so genannten sekundären Antisemitismus. Gleichwohl glaubte die ehemalige fundamentalistische Grüne Jutta Ditfurth noch 2001, Haußleiter als früheren "Nationalliberalen" charakterisieren zu können.
-Unglaublich, aber wahr.
- Der Ökobauer Baldur Springmann - einer der "Urgrünen" - war nach Dokumenten aus der NS-Zeit von November 1933 bis März 1934 SA-Mann und seit November 1936 SS-Bewerber. Bierl und Heni schreiben: "In einem Fragebogen für SS-Angehörige von 1940 für das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS bezeichnet er sich als gottgläubig, wie viele Nazis, die aus den Kirchen ausgetreten waren. Außerdem beantragte Springmann im November 1939 die Aufnahme in die NSDAP und wurde drei Monate später mit der Mitgliedsnummer 7.433.874 aufgenommen. In der Autobiographie schreibt Springmann, er sei als Marineoffizier während des Krieges zum NS-Führungsoffizier ernannt worden und habe Vorträge über ein künftiges deutsches "Bauernreich" und die Blut-und-Boden-Ideologie gehalten. Von den NS-Verbrechen will er nichts mitbekommen haben. Nach 1945 war Springmann in der "Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft" (DUR), einem Verein pantheistisch-naturreligiös gesinnter Nazis, im "Weltbund zum Schutz des Lebens" (WSL) sowie in der AUD aktiv."
- Der WSL war 1959 in Salzburg unter Führung des Försters Günther Schwab gegründet worden. "Schwab war im Oktober 1930 in Wien in NSDAP und SA eingetreten, wo er es bis zum Sturmführer brachte. Wegen NS-Betätigung wurde er mehrfach als Förster aus dem Staatsdienst entlassen. 1938 meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht und bat um eine Vormerkung für den kolonialen Forstdienst, weil er anscheinend überzeugt war, die Nazis würden Kolonien erringen." (Bierl, Heni)
- Werner Haverbeck, seinerzeit Professor für Sozialwissenschaft an der Fachhochschule Bielefeld, wurde 1974 zum Vorsitzenden des WSL gewählt. Er saß in den siebziger Jahren in einem Beirat der SPD für Umweltschutzfragen, in den ihn Egon Bahr berufen hatte. Auch Haverbeck konnte auf eine beachtliche NS-Karriere zurückblicken. Er "trat 1928 der SA bei, übernahm 1933 die Leitung des Reichsbundes für Volkstum und Heimat und wurde später Mitglied der Reichsleitung des NS-Studentenbundes." (Bierl, Heni) In den fünfziger Jahren wurde er Geistlicher der von Steiner, dem Autor der Wurzelrassenlehre, begründeten Anthroposophie. 1980 unterzeichnete er zeitweise den Dortmunder Appell, mit dem die deutsch- nationale Friedensbewegung gegen neue amerikanische Atomraketen agitierte, und ein Jahr später das so genannte Heidelberger Manifest, in dem die Parole "Ausländer raus" pseudoökologisch begründet wurde." Zu dieser Zeit existierte bereits auch schon das von Haverbeck gegründete "Collegium Humanum" in Vlotho (Ostwestfalen), eine "Bildungsstätte" und ein Kaderzentrum für neurechte Ideologen, in dem z. B. der nationale Sozialist und Antisemit Mahler, ehemaliger RAF- Aktivist und glühender eliminatorischer Antizionist, ein- und ausgingen.
Nachbemerkung: Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass der Werner Haverbeck an der FH Bielefeld ungeachtet seiner Nazi-Karriere und neofaschistischen Aktivitäten ungestört seinen ideologischen und politischen Geschäften nachgehen und seine verdorbenen Früchte als "Professor für Sozialwissenschaft" unter die Studierenden bringen konnte, ohne je dafür an der FH in die Kritik zu geraten und ohne dass das Rektorat der FH es je für nötig gehalten hätte, sich von seinem Tun oder seinen Schriften zu distanzieren, dass aber dasselbe Rektorat (nicht in persona) und dessen Personalabteilungsleiter es für dringlich hält, sich von dem Herausgeber dieser Seite und der "Internetzeitschrift für kritische Theorie der Gesellschaft", das Kritiknetz, ausdrücklich zu distanzieren. Deshalb finden Sie, verehrter Leser, im Impressum des Kritiknetzes auch nur noch angegeben: "Heinz Gess, Professor im Fachbereich Sozialwesen" und nicht mehr wie zuvor: "Professor im Fachbereich Sozialwesen der FH Bielefeld". Auch sonst sind alle Hinweise auch die FH Bielefeld im Kritiknetz gelöscht. Das hiesige Rektorat bestand aus Sorge um den "guten Ruf" der FH darauf. Anlass für diese Maßnahme, deretwegen zur Zeit noch ein Prozess vor dem Verwaltungsgericht in Minden geführt wird, war mein Artikel "Heiliger Krieg in Bielefeld. Kritik einer Protestaktion und ihrer Theologie". 
Ich möchte es nicht annehmen, aber vielleicht hat das Rektorat mit seiner Einschätzung ja sogar Recht, dass Professoren wie Haverbeck dem "guten Ruf" der FH in Bielefeld keinen Abbruch tun, wohl aber ein kritischer Theoretiker, der so unbotmäßig ist, sich politisch im Sinne der kritischen Theorie zu äußern und sich damit nicht an das zu halten, was FH-Leitung als "applied science" ansieht und durchsetzen will. Schließlich ist ja Bielefeld die Hauptstadt jener ostwestfälischen (evangelischen) Provinz, in der selbst heute noch der Cheruskerherzog Widukind in Enger als germanischer Freiheitskämpfer wider das "Imperium" (Karls des Großen) verehrt wird, der antisemitische Hofprediger Stöcker zu Wilhelms II Zeiten Begeisterungsstürme auslöste, die nationalsozialistische Bewegung ungemein großen Zulauf hatte, die SS eine sehr nachgefragte "Eliteorganisation" war und in der man bis heute munkelt, es seien viele SS-Angehörige in der Bielefelder Justiz und der Polizei nach dem Kriege untergekrochen und hätten dort die Gelegenheit bekommen, ihre Akten zu vernichten. Denn seltsamerweise lassen sich dort keine solche Akten mehr auffinden. (Fragen sie selbst einmal bei der Staatsanwaltschaft und der Polizeidirektion nach.) Und nicht zu vergessen: Es ist auch jene Stadt, in der die örtliche Presse sogleich in die Widukindsfanfare gegen die Fremdherrschaft stößt, wenn ein ehemaliges Kirchengebäude zu einer Synagoge umgebaut werden soll.
Wusste Haverbeck, wo ein alter Nazi, der sich treu blieb und nur den Jargon änderte, um Nazi auf der Höhe der Zeit zu sein, seine politische Tätigkeit als "Professor für Sozialwissenschaft" und "Ökologie" unbehelligt fortsetzen konnte? Fakt ist, er wählte Ostwestfalen Lippe, Bielefeld und die dortige "university of applied science". Er ist damit sehr gut gefahren.

Heinz Gess



Link zum Artikel (PDF): "Grün-braune Liebe zur Natur - Die NSDAP als "grüne Partei" und die Lücken der Naturschutzforschung". Klicken Sie bitte hier.

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